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Das grösste Problem beim so genannten "historischen Schwertkampf" ist, dass es bei uns, anders als z.B. in Asien, keine durchgehende Schwertkampftradition gibt. Ab dem späten Mittelalter wurde das Schwert als bevorzugte Waffe mehr und mehr von der Schusswaffe abgelöst. Die Schwertkampfkünste wurden im laufe der Jahrhunderte vergessen. Dennoch überlebten einige Fechtbücher aus dem Mittelalter und der Rennaisance bis heute, was für uns von unschätzbarem Vorteil ist.
 Zu nennen sind da unter Anderen die Fechtbücher von solchen großen Meistern wie Hans Talhoffer, Johannes Liechtenauer, Jakob Sutor von Baden und Joachim Meyer. Sogar Albrecht Dürer hat sich an einem Fechtbuch versucht, jedoch hat er dieses Werk nie zu ende geführt. Was bei all diesen Namen sofort auffällt ist, dass sie alle deutsch klingen. Dies ist kein Zufall. Tatsächlich wurde ein Großteil der heute bekannten Fechtbücher in Deutschland, genauer in Südwest Deutschland bzw. der Nordschweiz (grob das ehemalige Herzogtum Schwaben) verfasst. Hans Talhoffer z.B. lebte und wirkte dereinst unter anderem in Urach. Und auch das älteste, bisher bekannte Fechtbuch aus dem späten 13. Jahrhundert wurde wahrscheinlich ebenfalls in Deutschland verfasst. Dieses Manuskript wird heute unter dem nichtssagenden Namen MS I.33 (sprich eins-dreiunddreissig) in den Royal Armouries in Leeds, England aufbewahrt. Manchmal wird es auch als Tower Fechtbuch bezeichnet. Darin ist auf 32 Pergamentseiten der Kampf mit dem damals gebräuchlichen Einhandschwert und Buckler (ein kleiner Schild) beschrieben.
Allerdings kann man nur durch das Nachstellen der gemalten Positionen in den Fechtbüchern und dem übersetzen der Texte ins Deutsche keinen Fechtkampf erlernen. Die damaligen Meister haben meistens nämlich nur Schlüsselpositionen gemalt, da sie davon ausgehen konnten dass die Schüler bereits die entsprechenden Grundbewegungen und -techniken beherrschten. Dem Rekonstruieren der Bewegungen und Ausgangsstellungen die zu den gewünschten Schlüsselpositionen führen, wie sie in den Fechtbüchern dargestellt sind, widmen seit vielen Jahren einige Leute ihre Zeit, und geben ihre Erkenntnisse an ihre Schüler weiter. Ihnen möchte ich an dieser Stelle danken.
Heutzutage vom "historischen Fechten" zu reden ist also so nicht ganz korrekt. In Wahrheit ist es eine Mixtur aus Bewegungen und Schlüsselpositionen von verschiedenen überlieferten Fechtbüchern, gepaart mit vermuteten b.z.w. rekonstruierten Bewegungen, die teilweise aus dem asiatischen Schwertkampf (wo die Schwertkampftradition seit einigen hundert Jahren ununterbrochen ist) übernommen sind. Bei uns im Verein wird, neben anderen mittelalterlichen Kampfkünsten, das Bloßfechten mit dem langen Schwert trainiert. Das bedeutet dass das Schwert sowohl zum Angriff, als auch zum eigenen Schutz verwendet wird. Das lange Schwert wird heutzutage oft auch als 1 1/2 Händer bezeichnet, da es hauptsächlich mit beiden Händen, aber auch einhändig geführt werden kann. Diese Waffe erscheint erstmals ab dem Ende des 13. Jahrhunderts, und hat ihre Blüte im Spätmittelalter b.z.w. der Frührennaisance.

Am deutlichsten unterscheidet sich das historische Fechten vom "Schaukampf" darin, dass es tunlichst vermieden wird die Schwerter Schneide auf Schneide zu schlagen (wie es bei vielen Mittelaltermärkten, und praktisch allen "Mittelalter-" und Fantasyfilmen z.B. zu sehen ist). Dies hätte bei scharf ausgeschliffenen Schwertern den Effekt dass die Klinge sofort zerstört wird. Und scharf waren die Schwerter damals, sehr scharf. Wie es an sauber, ohne Splitterbildung durchtrennten Schädeln und Gliedmaßen ausgegrabener Skelette von Schlachtfeldern sehr eindrucksvoll zu sehen ist. Stattdessen wurde und wird immer versucht den Hieb des Gegners entweder mit der Breitseite der eigenen Schwertklinge aufzunehmen, und umzulenken, oder die Energie des gegnerischen Hiebes in einen blitzschnellen Konterangriff umzuwandeln. Nicht umsonst heißt es "Schwertkunst".
Desweiteren sind in den meisten Filmen oder auch Mittelaltermärkten oft minutenlange bis halbstündige Schwertkämpfe zu "bewundern" was aber auch niemals der Wirklichkeit entspräche. Tatsächlich dauert ein "echter" Schwertkampf nur wenige Sekunden. Zwei gleichstarke Gegner werden auch meist beim Ringen enden, da sie versuchen werden sehr nahe an den Gegner heran zu kommen. Auf diese Nähe ist ein Schwert, das ja eine Distanzwaffe ist, praktisch wertlos. Ein Kampf zwischen zwei ebenbürtigen Gegnern wird einen, höchstens zwei Distanzhiebe beinhalten und sich dann nach einer Windetechnik im Ringen auflösen.
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